Envisioning Peace in a Time of War: The New School of Multilateralism

The New School of Multilateralism

Ursula Werther-Pietsch (Ed.), (Facultas, 2022). pp. 174.


Die Handlungsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft steht auf dem Spiel. Das Nachdenken über die Friedens- und Sicherheitsarchitektur wird immer wichtiger. Das neue Buch „Envisioning Peace in a Time of War", greift dieses Thema auf und ruft zu einer "Neuen Schule des Multilateralismus" auf.


Zehn Essays fassen den Status quo zusammen: Wir befinden uns in einer tiefen Krise der Demokratie. Für den Abwärtstrend gibt es viele Gründe, nicht zuletzt mangelnde Voraussicht im politischen Geschehen. Überholt wurde die Gemeinschaft westlicher Werte von dem philosophischen Zentrum für Innovation im Fernen Osten, einer Wiederkehr von Autokratie, Geoökonomie und Abschreckung als dominanten Mitteln internationaler Meinungsfindung und, die Welt erlebt das Undenkbare, einen neuen Krieg in Europa. Fazit: Wir brauchen neue Antworten.

Um den Komplexitäten von heute zu begegnen, ist ein flexibles, kommunizierendes System internationaler Regelungen mit unterschiedlichen Interessengruppen und nichtstaatlichen Akteuren notwendig. Was heißt das? Wie muss die liberale internationale Ordnung umgebaut werden, um den neuen Herausforderungen zu genügen? Wir müssen die „Tonalities of Peace“ bespielen, wie von Illja Trojanow bei den Salzburger Festspielen 2022 eingemahnt; diese stellen zugleich das Motto der Neuerscheinung dar.


Wir befinden uns in einer tiefen Krise der Demokratie. Für den Abwärtstrend gibt es viele Gründe, nicht zuletzt mangelnde Voraussicht im politischen Geschehen.

Aufbauend auf einer scharfen Analyse der gegebenen Situation entwerfen führende und junge Stimmen aus Wissenschaft und Praxis im Buch ein Gegenstück zur „Welt von heute“: Gefragt sind ein neuer Konsensus zur Absicherung des Weltfriedens und geschickte internationale Kooperation in einer sich herausbildenden „Welt-Netz-Ordnung“.


Prämisse eins: Geopolitik, das Spiel von Machtinteressen auf globaler Ebene, wird als integraler Teil von menschlicher Sicherheit gesehen, als eine gewichtige Dimension, nicht aber als Leitmotiv oder übergeordnetes Axiom. Dies ganz im Sinn von Hans Kelsens gelebtem Multilateralismus, der realistische Einflüsse in eine normativ getriebene humanistische Denkungsweise aufnimmt.


Prämisse zwei: Wir sehen dringenden Bedarf einer neuen Theoriebildung für den globalen Frieden. Die Zeitenwende hat möglicherweise die europäischen Sicherheitsstrukturen zertrümmert. Dennoch oder gerade deshalb brauchen wir globale Prinzipien wie Vertragstreue, „Rule of Law“, Nicht-Diskriminierung sowie Mechanismen für friedlichen, interessengeleiteten Ausgleich.


Die Zeitenwende hat möglicherweise die europäischen Sicherheitsstrukturen zertrümmert.

Prämisse drei: Es lohnt sich, gerade angesichts der Umstürze durch den Krieg in der Ukraine darüber nachzudenken, wie „kooperative Sicherheit“ argumentiert und gelebt werden kann. Nachhaltiger Frieden erfordert neue Formate für Dialog, nicht nur auf staatlicher Ebene, er kann nur auf der Gesellschaft aufbauen. Gleichzeitig müssen höchstrangige Player angesichts der gemeinsamen Konfrontation durch existentielle nukleare Bedrohung gemeinsam um Lösungen ringen.



Die Antwort heißt: Friede durch Zusammenarbeit erneuern. Im Kampf um die neuen geopolitischen Narrative einen kühlen Kopf zu bewahren, das Ende der Gewissheiten flexibel zu nützen, multilaterale Erosion zu stoppen. Das betrifft regionale Zusammenarbeit, etwa im OSZE-Rahmen, und Stärkung der strategischen Autonomie, etwa durch den EU Global Gateway. Ebenso kann Peacebuilding und Lokalisierung zur Prävention zukünftiger Konflikte beitragen, inspiriert von menschlicher Sicherheit als einziger humanistischer, universeller Lösung. Um vorausschauend handeln zu können, benötigen wir Optionen. Was kann die „Neue Schule des Multilateralismus“ dazu beitragen? „Wir suchen zwischen Blöcken und Polen nach einer neuen Grand Strategy,“ wie Wolfgang Petritsch es im Vorwort zum Buch ausdrückt.



 

PD Mag. Dr. Dr. Ursula Werther-Pietsch, Mitherausgeberin der TDHJ Special Edition, Dozentin für Internationales Recht und Internationale Beziehungen. Lehrt an den Universitäten Wien und Graz, der DiplAk und der Bundeswehruniversität München. Arbeitet im Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, als Senior Visiting Fellow an der Landesverteidigungsakademie und im Bundeskanzleramt. Beraterin des akad. Forums für Außenpolitik und Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des BMLV. Gründerin der Zeitschrift Juristische Ausbildung und Praxis. Zahlreiche Publikationen, unter anderem zu Menschenrechten, internationaler Krisen- und Konfliktbewältigung, Frieden und Sicherheit von Frauen und dem kollektiven Sicherheitssystem der UNO. Werther-Pietsch studierte Rechtswissenschaften, Architektur und Französisch.

 

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